Das Mensch-Hund-Spiel

 

Spielen, Zerren und Toben

Immer wieder heißt es, dass der Mensch DER Rudelführer sein soll. Das beinhaltet dann auch, dass er nicht oder nur wenig mit dem Hund Toben, Zerren, Rangeln und Raufen soll. Als Alphatier hat man ja auch immer das Sagen wo es langgeht. Wir Menschen als Rudelführer entscheiden, wann und mit was der Hund spielt und wir gewinnen selbstverständlich auch immer. Also nicht gemeinsam Spielen?

DOCH! Gerade körperbetonte Spiele fördern die Bindung zu unseren Vierbeinern. Es gibt nichts Schöneres als schon mit den ganz Kleinen anzufangen und am Boden einfach nur ohne Spielzeug zu Rangeln. Kein Hund wird deswegen seinen Halter als albern, langsam oder körperlich schwach wahrnehmen.

Mensch-Hund-Spiel ist nicht ersetzbar! Auch Hunde, die mit anderen Hunden in einem Haushalt zusammenleben und deshalb täglich Gelegenheit zum Spielen haben, freuen sich ganz sakrisch auf eine Runde toben mit ihren Menschen! Sie spielen dann kooperativer, geben das „Spieli“ eher ab und spielen viel ausdauernder und mit großer Freude! Auch beim Zerren oder Rangeln mit einem Seil, etc. geht es ihnen eher um die gemeinsame Aktivität als um den Besitz des Spielzeuges. Schön ist es, wenn der Hund beide Möglichkeiten hat zu spielen – Hund-Hund-Spiel und Mensch-Hund-Spiel ergänzen sich auf das Beste!

Immer mehr Studien beweisen auch auf wissenschaftliche Art und Weise, was ein normaler Mensch im täglichen Umgang mit seinem Vierbeiner sowieso kennt und sieht. Sie vergleichen das Verhalten von Hunden, die regelmäßig Zerrspiele mit ihrem Halter spielen, diese auch beginnen und gewinnen durften mit dem Verhalten von Hunden, die das nicht durften. Die Beobachtungen im häuslichen Umfeld zeigen, dass die Hunde nicht „dominanter“, sondern selbstbewusster werden.

Wieso ist das Spielen so gut?

Jedes Spiel setzt beim Mensch, sowie auch beim Hund bestimmte Substanzen frei, die für Wohlbefinden und Glücksgefühle sorgen. Jedes Spiel in dem der Hund eine Herausforderung meistert, führt zur Ausschüttung eines ganzen Füllhorns voll Dopamin. Dieses auch als Glückshormon bekannte Hormon wird darüber hinaus durch den engen Körperkontakt des Mensch-Hund-Teams vom Hormon Oxytocin, dem Bindungshormon begleitet. So wird aus einem gemeinsamen Spiel auch Stressabbau. Außerdem lernen beide Parteien auch viel über- und voneinander. Sie tun also etwas für die Beziehung, die Bindung und auch die Gesundheit. Fazit: Wir fühlen uns zusammen einfach GUT!

Zusätzlich wird im Spiel natürlich auch gelernt. Da es in einer entspannten, angst- und stressfreien Umgebung stattfindet, bietet es den idealen Untergrund für stressfreies und einfaches Erlernen. Voraussetzung ist natürlich auch hier ein faires Miteinander und auch einige Spielregeln. Der Hund lernt durch die Gemeinsamkeit Impulse zu kontrollieren, die Frustrationstoleranz zu erhöhen, Fairness und Empathie. Er lernt, dass es sich lohnt auf seinen Menschen zu achten, weil er nur so den Reaktionen folgen und sicherstellen kann, dass weiter gespielt wird. Warten oder Abwarten lohnt sich, auch das wird seine Erkenntnis sein. Das ausgeschüttete Dopamin sorgt dafür, dass diese Lernerfahrung selbstbelohnend ist. Futter oder andere Verstärker sind im Spiel deshalb auch nicht nötig!

Spiel braucht natürlich auch Vertrauen!

Gerade körperbetonte Spiele beinhalten ein gewisses Risiko und setzen gegenseitiges Vertrauen voraus. Schön, wenn der Hund schon von Welpenbeinen an dies auch mit seinem Besitzer kennengelernt hat. Das Spiel mit einem unbekannten Hund bitte zunächst immer sehr behutsam mit gegenseitigem Kennenlernen beginnen. Dann auf ein niedriges Erregungslevel achten, um ihm das Einhalten der Spielregeln zu erleichtern.

Wann ist ein Spiel ein gutes Spiel?

Achtet immer auf die eindeutigen Spielsignale. Überzogene Spielgesichter, häufiger Blickkontakt und schnelle Reaktionen auf die Aktionen des Partners sind solche. Beide Partner haben gleichmäßige Spielanteile und gehen auf die Vorschläge des anderen auch ein. Es gibt „Rollenwechsel“. Bei viel Harmonie, gleicht sich das Verhalten so sehr an, dass es zu einer starken wechselseitigen Stimmungsübertragung kommt. Najah und ich zum Beispiel haben ganz bestimmte Rituale und Signale. Wir bellen oder heulen uns schon auch mal gegenseitig an 😉 und arbeiten mit den „Pfoten“ wie in einem Boxkampf. Es reicht ein bestimmter Blick oder bei mir ein auf dem Boden klopfen als Ritual und wir sind dann meist im Spielmodus!

Gibt es das perfekte Spiel?

Besser ist es dem Hund möglichst viele und abwechslungsreiche Spiele anzubieten. Das hängt natürlich auch vom Alter, der Verfassung, der Spielvorgeschichte und natürlich auch der Vertrautheit ab. Welpen wollen zusammen die Welt erobern, Junghunde dann die mentalen und körperlichen Kräfte messen und erwachsene Hunde suchen neue Herausforderungen. Ob ruhige Kuschel- und Suchspiele oder Zerren und Rangeln ist da dann alles vertreten.

Ab auf den Boden und viel Spaß beim Spielen!