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08.02.2018 – Einfach nur Hund sein dürfen?

Einfach nur Hund sein dürfen?

Ich bin mir immer wieder unsicher! Jetzt gerade auch wieder. Ich lese in Posts, dass ein Hund nur dann glücklich ist, wenn er sportlich unterwegs ist? Ein Tagesprogramm vielleicht? Mit einer Stunde Klickern, danach Dogdance und anschließend Agility. Oder auch den Rally Parcours durchlaufen, bevor wir longieren und danach noch eine Stunde mit der Frisbee-Scheibe durch die Gegend flitzen? Longieren? Turnierhundesport? Obedience? Apportieren? Oder oder oder! Die Möglichkeiten sind riesig und der Vierbeiner ist sonst nicht ausgelastet? Natürlich auch wieder nicht zu viel, aber 3 Stunden Ruhe ist dann auch nix? Puh! Und dann überlege ich, wie es unseren Hunden so geht?

Dazu mal kurz der wöchentliche Tagesablauf! Wir stehen sehr früh auf und die Bande geht vor dem Frühstück eine Runde in den Garten zum Pipi machen. Meist fordert Bazi-Beerle dann Daido zu einem kurzen Wettrennen auf, dabei rempeln sie Milo an und er grummelt schnell mal müde vor sich hin. Najah stellt sich vorsorglich schon mal ein wenig abseits, um nicht ins Geschehen mit einbezogen zu werden und die Futterzeit nicht zu verpassen. Dann wird gefressen und das Rudel legt sich bis um 9 oder 10 Uhr erst noch mal in die Betten. Ich verlasse das Haus und suche mein Büro, meinen Computer und meine Kollegen heim 😉 Mein Mann arbeitet Zuhause und kann es sich einteilen. Wenn die Viererbande erwacht, ist also einer da und erhört die Bitte nach einer Gassirunde. Sie toben eine Weile durch den Wald und die Wiesen. Wettrennen, Baumkraxeln und Matschbuddeln stehen auf dem Tagesplan. Manchmal wird auch ein Mauserl beobachtet, dazwischen auch mal Verstecken mit Herrli gespielt oder Leckerchen versteckt. Zuhause angekommen dösen und dümpeln die Nasen so rum, bis ich zwischen 16 und 17 Uhr endlich nach Hause komme. Ich genieße dann das Begrüßungsritual und dann geht es gleich zur großen Gassirunde. Wir haben die verschiedensten Strecken und viel Abwechslung. Manchmal mache ich eine ganze Menge mit ihnen, ein anderes Mal hängen wir alle unseren Gedanken nach und genießen nur die Ruhe, den Sauerstoff und die Bewegung. Wieder daheim wird Abend gegessen und dann geht es ans Kuscheln, Spielen, Kämmen. Ich liege meist mit am Boden und wir Schubsen und Stupsen, wir Pöbeln und Zerren, wir haben einfach Spaß. Manchmal Klicker ich eine Runde, aber ganz ehrlich…ich bin da viel zu wenig ausdauernd! Und wahrscheinlich auch zu phantasielos. Ich bräuchte da jemanden, der mich täglich erinnert und mir sagt, wie ich was machen soll. Und das macht mir dann auch immer wieder das schlechte Gewissen. Andere Hunde laufen perfekt durch irgendwelche Parcours, machen gerade Sitz und Platz und kennen Unmengen an Tricks! Meine sind zwar immer in unserer Nähe, gehen mit zum Essen oder egal wohin auch sonst. Sind in Altenheimen oder auch Schulen mit von der Partie und dürfen sich ein schmuddeln, durch die Gegend düsen und mit uns am Boden wutzeln aber ist das auch genug?

Wenn ich mir vor allem die letzten Jahre so ansehe und überlege, was sich alles geändert hat in Sachen Hundeerziehung, ist das schon enorm! Es sind jede Menge Funsportarten entstanden, die Industrie stellt Leckerchen ohne Ende her und die Futtermittelindustrie streitet sich mit den Hundebesitzern darüber welche Ernährungsarten die Besten sind. Die Hundeschulen sprießen aus dem Boden, weil immer mehr Menschen eben auch mal einen Hund haben, der nicht 100%ig in der Norm liegt, die allen vorgegaukelt wird und erst mal eine Grunderziehung benötigt. Die Gespräche der Hundebesitzer drehen sich um Themen wie Kastration, Entwurmung, Impfung und auch hier sind keine Zwischentöne erlaubt. Jeder vertritt vehement seinen Standpunkt, als ginge es um einen Weltuntergang und andere Meinungen sind nicht nur nicht erlaubt, sondern strengstens untersagt.

Und da kommt wieder die Frage? Was ist ein glücklicher Hund? Wann geht es einem Hund gut? Ich glaube, es geht ihm dann gut, wenn es auch den Besitzern gut geht. Was ein Hund kann oder auch nicht kann, ist doch immer zweitrangig. Solange es beiden Seiten Spaß macht und vor allem auch keinen stört. Leben und leben lassen! Verstehen, auch wenn ein anderes Familien-Hunde-Leben sich von dem eigenen unterscheidet! Und darum folge ich einfach meinem Herzen! Ich lebe mit Ihnen! Lache über sie und ihre Späße! Und liebe sie ganz dolle, meine tollen Vierbeiner! Sie sind nämlich die besten Hunde der Welt!